Die wollen doch nur spielen/ Erfurt reloaded

2009 März 11

Diesen Satz wird man nach dem heutigen Tag und dem Amoklauf wohl kaum noch über Counterstriker sagen. Warum? Weil RTL dank seiner unnachahmlichen Berichterstattung ruckzuck einen Schüler aus der Parallelklasse von Tim K. vor die Kamera gestellt hat. Dieser sagte, dass er Tim kaum kannte und dieser keinen Kontakt zur Außenwelt hatte, und natürlich dass Tim K. zockt, und zwar Counterstrike, diesen heutzutage stumpf als Killerspiel abgestempelten Team-Shooter, die schlimmste Droge inklusive: die Gewalt. Laut einer Psychologin hat Tim K. hier Automatismen erlernt, die er bei seinem Amoklauf heute abgespult hat. Dass sein Vater  begeisterter Sportschütze ist und bei sich zu Hause über ein Dutzend Waffen lagerte, ist natürlich für die Psychologin keine Erwähnung wert. Komisch auch, dass der sozial-unterentwickelte Azubi regelmäßig einen Sportverein besuchte, aber wenn die das beim Fernsehen sagen wirds schon stimmen…

Tim K. war offenbar angefixt von Counterstrike, sagt ja schließlich der Mitschüler, der sich eigentlich so ein Urteil nie anmaßen dürfte ohne Tim besser zu kennen. Aber das mit den Shootern ist ja schließlich immer so bei Amokläufern, und die Musik ist natürlich niemals Hip Hop oder R ‘n’ B, sondern Metal, Texte von Tod und Verdammnis; stereotypisches Denken in Reinform, objektive Berichterstattung Fehlanzeige. Man muss seine Kinder davor schützen, es am besten gleich verbieten, es nie wieder herstellen, den sportlichen Wettkampf, der für jeden Zocker in Wirklichkeit dahinter steht, unterbinden. Der Otto-Normal-Zocker will nicht töten, er will sich messen, andere besiegen, seine Fertigkeiten schulen und das am besten mit seinen besten Freunden im Clan. Würde das jeder verstehen… das käme einer Utopie gleich.

Aber zurück nach DeutschlandIch weiß jedenfalls, dass zur Zeit beim Axel-Springer-Verlag die Druckerpressen heute Nacht heiß laufen werden, denn das Volk muss ja morgen wieder vorgehalten bekommen, dass die Spiele so schlimm sind; dass sie die Persönlichkeit von Menschen völlig zerstören. Immer wieder werden in der Bild-Zeitung Egoshooter so dargestellt, dass es jedem der diese Games zockt besessen ist vom Töten, dass ist ja auch das worum es mir als Otto-Normal-Gamer geht: Blut und TÖTEN, TÖTEN, TÖTEN. Jeder der so ein Spiel im Regal ist, macht sich verdächtig. Ironie Ende; traurige, verlogene Realität rein.

Denn lustigerweise gibt der selbe Verlag auch noch die Computer Bild Spiele heraus, in der es immer wieder Ego Shooter auf die vorderen Ränge der Ranglisten schaffen. Schizophrenie? Wohl eher Profitgier, denn die Zielgruppen beider Zeitungen haben nicht allzu viele Berührpunkte. Das junge Publikum lockt man mit günstigen Vollversionen (natürlich auch hin und wieder mal Spiele mit „Menschentöten“ als Thematik) und ausgedehnten Berichten zu Games wie GTA 4, Crysis, Farcry 2 und so weiter und so fort. Für alle Nicht-Zocker über 35 ist dann die Bild-Zeitung itself, oder auch „bunt-bedrucktes Klopapier“. Mit beiden Zeitungen macht man regelmäßig dicke Gewinne, ob sich die Games aber mit der vorgegaukelten Moral vereinbaren lassen, ist egal, solange der Umsatz maximiert wird. Großkotzig prahlt der Verlag HEUTE auf seiner Seite:

Wachstum in allen Umsatzkategorien trotz schwacher Konjunktur

Scheinheiligkeit in den Medien von oberster Güteklasse, auf das Fernsehen will ich gar nicht erst gar nicht eingehen, das würde den Rahmen eindeutig sprengen.

Als Flashgame des Tages war eigentlich etwas anderes vorgesehen, aber aus aktuellem Anlass seh ich mich gezwungen gewaltverherrlichende Spiele reinzustellen, die ja wie jeder weiß, der einzige Grund für Amokläufe sind… Viel Spaß also mit Thing-Thing 4, Scope: First Blood und Body Ladder und bis bald!  Neue Animal Crossing-Screenshots sind übrigens auch wieder in Planung, und zwar ein blutige Abschlachtorgie vom Feinsten, ich werde mich in den Gedärmen von Tom Nook laben.

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  1. Oh mein Gott! Sie haben… « vREAKY REBELLION

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