Schon seit einem dreiviertel Jahr habe ich mir sehr auf den neuen Streich von Visceral Games (Dead Space) gefreut: Dante’s Inferno, damals wollte ich es noch für Xbox 360, heute steht die PS3-Fassung als Death Edition in meinem Regal. Doch was macht dieses Spiel so besonders? Nun, dazu muss man sich lediglich die jüngsten Verkaufszahlen von Dante Alighieri Gedichtsepos „Göttliche Komödie“ angucken. Dieses Spiel ist quasi eine beeindruckende Visualisierung des Klassikers, und ich finde es ist schon eine besondere Leistung wenn ein Schnetzelspiel Leute dazu bringt sich mit Weltliteratur zu beschäftigen. (mich inklusive, aber der Inferno-Band lag ja schon meiner Ausgabe des Spiels bei) Dass dieser Titel sich nicht nur ein bisschen bei God of War bedient hat, daraus wird erst gar kein Hehl gemacht. Wie Kratos schnetzelt ihr euch durch Massen von Gegner, sammelt ihre Seelen für Upgrades und löst hin und wieder Rätsel und Sprungpassagen. Und ebenfalls wie Kratos Geschichte hält sich Dante’s Inferno nur vage an historische Vorbilder. Als Dante, ursprünglich Protagonist und Ich-Erzähler der „Göttlichen Komödie“, kämpft ihr euch mit eurer Sense bis zu Luzifer persönlich vor um eure geliebte Beatrice, die für eure Sünden in der Hölle büßen muss, wieder in die Welt der Lebenden zu holen. Dazu gilt es erst einmal das Unmögliche zu schaffen und neun Höllenkreise zu überwinden, einen für jede Sünde. Im ersten Kreis entscheidet Minos darüber wie tief die verlorenen Seelen in den Höllentrichter eintauchen müssen. So geht es im zweiten Kreis mit der Wollust weiter, danach Völlerei, Gier etc., doch nicht jeder Kreis kann gleich stark begeistern. Insbesondere Malebolge, der achte Kreis des Betrugs, ist architektonisch bei weitem nicht so spektakulär wie die anderen. Auch die Rolle von Vergil, Dantes fiktiver Weggefährte und römischer Philosoph, ist ein wenig zu kurz gekommen und dient ebenso wie 30 versteckte Judas-Münzen eher dazu Trophies/ Achievements bereitzustelllen, getreu dem Motto „weil’s ja jeder so macht“. Doch davon abgesehen werdet ihr im kompakten Spielverlauf sehr oft mit packenden Bossfights und einer teils sehr spektakulären Aussicht, die lediglich von der fixen Kamera getrübt werden, belohnt. Auch mit virtuellem Blut wird wieder nicht gegeizt, und die von God of War-inspirierten Finisher dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen. Wenn ihr zum Beispiel durch die teils sehr ekeligen Umgebungen voller Magensaft und verdauten Leichen wandert, so kann man schon fast riechen, wie ein Aufenthalt in der Hölle sein kann.
Natürlich könnt ihr auch in bekannter Manier euren Charakter aufwerten. Ihr findet zum einen Relikte in platzenden Gargoyles (?!), die ihr bei euch tragen könnt. Sind genug Gegner erledigt, werden die aktiven Relikte stärker. Doch auch dauerhaft kann Dante etwas hinzulernen: hierzu dienen die Seelen, die jeder Gegner mit seinem letzten Atemzug aushaucht. Diese Seelen könnt ihr dann in zwei verschiedenen Skillbäumen anlegen, eine unheilige oder heilige Spielweise könnt ihr für euch wählen, oder auch ein Zwischending aus beidem. Leider nehmen diese kleinen, moralischen Entscheidungen keinen Einfluss auf den Verlauf eurer Reise und sind eher ein Lückenfüller. Unter gewissen Gegner könnt ihr eure Gegner und auch andere arme Sünder wie Pontius Pilatus, oder Friedrich II. bestrafen bzw. erlösen um neue Erfahrungsstufen im Skillbaum freizuschalten und somit später besonders starke aktive und passive Fähigkeiten freischalten zu können. Auch erlernt ihr von wichtigen Charakteren aus Dantes Leben oder im Austausch für Seelen den einen oder anderen Magieangriff, wie z.B. Gegner betäuben oder Schutzschilde, erlernen. Doch leider sind diese für den erfahrenen Zocker oft nur ein Beiwerk, denn die stärksten Angriffe erhaltet ihr gleich zu Beginn. Auch die verlängerbaren Kombos werden oft nicht benötigt, teilweise sorgen sie sogar dafür, dass ihr unfreiwillig mit euren Sprungangriffen über Ziel hinausschießt und im Abgrund landet, was bei Dante’s Inferno leider stets Game Over bedeutet, und ihr bei einem (fair und zahlreich platzierten) Checkpoint wieder einsteigen müsst. Ebenso überflüssig erscheint auch das Minispiel, wenn ihr Sünder erlöst. Hier müsst ihr wie bei Guitar Hero heranfliegende Kreise mit euren Controllertasten nachspielen. Hierdurch verkommt die ansonsten gute und düstere Atmosphäre unfreiwillig zur Lächerlichkeit.
Doch trotz kleinen Mängel und wenig Neuem ist das Spiel ein wirklich rundes Erlebnis, dass eine kurze aber gut erzählte Geschichte rund um Alighieris Werk spinnt. Der kommende DLC mit selbst gestaltbaren Level und Zweispieler-Coop könnten auch noch gut ankommen. Die im Spiel vermittelte Winzigkeit von Dante und seine Rolle als tragischer Held wird einem jederzeit bewusst gemacht und auch die mit Zeichentrick-Schnipseln beleuchtete Vergangenheit von Dante sind die Punkte mit denen das Spiel wirklich punkten kann. Dass die Entwickler aus dem literarischen Dante nun einen sündigen Kreuzritter gemacht haben, fällt überhaupt nicht negativ auf, im Gegenteil sogar wirken die Hauptpersonen lebendig und plausibel. Achja, der Bonus-Inhalt der Death Edition ist wirklich ein echtes Schmankerl, leider gibt es diese nur im europäischen Umland. Hier besteht wirklich Vorbild-Charakter. Bitte öfters mal mehr davon. Der dort enthaltene, herrlich schaurige Soundtrack fügt sich wunderbar zu einem Gesamtbild ein und alles in allem ist Dante’s Inferno eine gute Unterhaltung für ein Wochenende, und es lohnt sich wirklich für Genrefans in diese Hölle abzutauchen. Daher bekommt Dante’s Inferno von mir mit einem zugedrückten Auge eines historisch Interessierten 8 von 10 Punkten, wenn ihr aber mit der “Göttlichen Komödie” nichts anfangen könnt, so würde es eher 7,5 Punkte bekommen. Dort wird eine Bindung an die Spielwelt einfach nicht so stark sein.
P.S. Den tollen Review-Banner hab ich zwischenzeitlich irgendwie verschlampt, da werd ich mich bei Gelegenheit mal wieder ransetzen.

























































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