
Im Moment ist es schwer zu glauben, dass überhaupt jemanden hierzulande das Release von Wii Sports Resort entgangen ist, schließlich laufen in fast jedem Werbeblock kleine Einspieler des Titels. Offenbar ist sich Nintendo sicher, dass mit dem vielversprechenden Titel auch noch der letzte Deutsche eine Wii kauft. Dass Nintendo mit ihren Einschätzungen nicht immer richtig lagen, sieht man unter anderem an dem gefloppten Wii Music, aber das ist ja auch schon fast wieder vergessen. Als ich die ersten paar Stunden mit Wii Sports Resort verbracht habe wurde mir klar, dass hier noch sehr viel Potential nach oben zu erwarten ist, denn WiiMotion Plus ist einfach eine absolut gelungene, und mit 20€ auch noch recht preisgünstige Controller-Erweiterung. Natürlich ist es irrsinnig jetzt darauf zu schließen, dass noch neue tausende Wiis nur aufgrund dieses Titels verkauft werden, aber ich gehe fest davon aus, dass sich bis auf wenige Ausnahme alle Wii-Besitzer auch zu Sports Resort greifen werden.
Doch kann so ein Spiel auch den erfahreneren Zockern Spaß machen, oder ist es bloß eine nette Technikdemo? Meine Meinung dazu ist eindeutig „Ja, es kann.“ Die Spiele sind zwar zum Einstieg stets leicht zu erlernen, aber wenn man wirklich alles sehen will, dann muss man vor allem Können und Geduld mitbringen. Da am Anfang nur eine Handvoll Modi freigeschaltet sind, wird man immer wieder dazu motiviert sich einen kleinen Muskelkater zu holen. Oftmals muss man sich mühsam Level für Level vorankämpfen, aber trotzdem macht es einem Spaß. Das größte von Manko von Wii Sports war meiner Meinung immer, dass man zu schnell alles gesehen hatte, und man hatte nicht die Möglichkeit neue Golfplätze oder andere nette Sachen freizuschalten, lediglich Lappalien wie Glitzer-Bowlingkugeln. So sehen einfach keine Spiele aus, die einen im Singleplayer-Modus motivieren sollen. Statt dem ollen Edelmetall gewinnt man nun bei Sports Resort Achievement-Stempel für besondere Leistungen, eine nette Sache, die viel Abwechslung ins Gameplay bringt. Man muss, dass Wii Sports Resort eine Brücke zwischen Einzel- und Mehrspieler schlagen konnte, so gibt es viele Disziplinen, die einer Person alleine genauso viel Spaß bringen wie einer ganzen Truppe von 4 Spieler, die den Controller (oftmals) weiterreichen können. Einige Sportarten sind zwar immer noch für Singleplayer echte Schlafnasen, aber bringen auf Grund ihrer simplen Steuerung Pepp in jede Zockerparty. Naja, kommen wir jetzt endlich zum Kern des Spiels, den Disziplinen.
Die ersten beiden Disziplinen sind quasi eins zu eins in ihrem Aufbau aus dem Vorgängerspiel übernommen worden, nämlich Bowling und Golf. Doch gerade weil man sie schon früher kennt kann man hierbei besonders gut die Neuerung, die WiiMotion Plus mitbringt, nachvollziehen. In beiden Disziplinen kann nun jeder nach kurzer Eingewöhnung die Bälle anschneiden, um das Beste aus Wurf oder Abschlag rauszuholen. Bei Golf gefällt mir vor allem, dass es nun insgesamt 6 Kurse mit je 18 Löchern gibt, und noch einen siebten zum freischalten. Weiter geht es mit Tischtennis, was eigentlich auch nur ein altbekanntes Prinzip mit neuer Steuerung enthält. Da euer Spielfeld aber viel kleiner geworden ist, im Vergleich zum klassischen Tennis, landet der Ball nun für Ungeübte wesentlich schneller im Aus. Wer nach einiger Zeit die Steuerung raushat, kann sich in einem Minispiel daran versuchen mit dem Ball leere Getränkedosen von der Platte zu fegen. Der allseits unbeliebte Baseball hat es zum Glück nicht mehr in die Fortsetzungen geschafft und das planlose Gefuchtel beim Boxen ist einem sehr präzisen Schwertkampf gewichen. Eure Waffe folgt hier präzise den Bewegungen der WiiMote, so dass jeder nach einer Minute die Steuerung begriffen hat. Mit schnellen Bewegungen schlagt ihr zu und haltet ihr B gedrückt geht es in die Defensive. Besonders witzig ist ein Minispiel bei dem es darum geht Gegenstände zu zersäbeln, indem ihr den Anweisungen auf dem Bildschirm folgt. Für mich eines der absoluten Party-Spiele.
Die mit Abstand ausgefallensten Disziplinen sind meiner Meinung nach Frisbee und Luftsport. Bei beiden habt ihr die Wahl zwischen mehreren Minispielen, so könnt ihr z.B. die Plastikscheiben entweder mit einem Wurf möglichst nah an eine Zielzone bringen oder aber über ganze Golfparcours werfen. Luftsport enthält eigentlich zwei komplett verschiedene Modi in drei Minispielen, zum einen Fallschirmspringen, bei dem ihr in der Luft möglichst viele Miis zu einer Formation vereinen müsst, und zum anderen das Fliegen, bei dem ihr entweder frei über Wuhu und Wedge Island (dort liegt das Sports Resort) fliegen könnt, oder aber euch Dogfights mit anderen bewaffneten Fliegern liefert. Ins besondere der freie Flug ist unglaublich umfangreich, wenn man die Stempel anstrebt. Hier müsst ihr unter anderem bei jeder der drei Tageszeiten alle Sehenswürdigkeiten angeflogen haben und alle Ballons, die zu Hunderten verteilt sind, abgeschossen haben. Keine Sorge, eure Erfolge werden hier von Flug zu Flug übernommen. Etliche Brücken und enge Höhlen laden zu gewagten Manövern ein, die dank der einfachen Steuerung auch supereinfach von der Hand gehen. Der freie Flug ist neben Golf mein persönlicher Singleplayer-Favorit. Doch nicht nur aus der Luft kann Wuhu Island bereist werden, es gibt auch etliche verschiedene Strecken, die ihr in Radrennen abfahren könnt. Durch Hin- und Herwackeln mit Wiimote und Nunchuck gebt ihr Gas und durchkippen wird gelenkt. Es ist natürlich wichtig ab und zu Ruhepausen einzulegen, z.B. in dem ihr im Windschatten eures Vordermanns strampelt. Auch hier merkt man, dass die Insel das eigentliche Highlight ist, da sie sehr abwechslungsreich gestaltet ist. Ebenfalls mit Nunchuck steuert ihr das Bogenschießen, aber hier ist die Steuerung ziemlich abgefahren, denn als Rechtshänder haltet ihr nun Nunchuck in der rechten Hand und Wiimote in der linken Hand. Zieht ihr das Nunchuck nun mit gedrückter A- und Z-Taste nach hinten spannt ihr den Bogen und könnt euer Ziel fokussieren. Lasst ihr nun Z los, fliegt der Pfeil los und lasst ihr A los, brecht ihr den Schuss ab. Das Zielen hierbei ist wirklich sehr sensibel und bedarf einiger Übung. Wechselt ihr nach einer längeren Session wieder das Spiel, unbedingt dran denken, dass Wiimote und Nunchuck nun falschrum sind.
Den größten Komplex mit insgesamt 3 von 12 Disziplinen bildet eindeutig der Wassersport. Hier habt ihr die Wahl zwischen Wakeboard, Kanu und Jetboat, wobei letzeres wieder das Nunchuck erfordert. Diese Sportarten spielen sich alle sehr intuitiv und bilden in der Controllerbedienung das reale Vorbild sehr gut nach. Besonders gut gefällt mir hier das Jetski, will man hier boosten, dreht man einfach wie bei einem echten Wasserflitzer die Wiimote nach hinten. Der Wellengang ist bei allen dreien sehr gut und fordernd-realistisch umgesetzt, so dass man sich am liebsten einen neuen Teil des Waverace-Franchises wünscht. Beim Kanufahren könnt ihr neben dem Rennen auch auf Rekordjagd gehen, denn in einem Minispiel geht es darum in einer bestimmten Zeit eine Strecke zu bewältigen, schafft ihr das, schaltet ihr die nächste Distanz frei und so weiter. Zu guter Letzt gibt es noch Basketball zu Auswahl, entweder werft ihr Dreier, oder ihr tretet in einem Streetball-Match abwechselnd als Offensive und Defensive an. Kommt ihr in Korbnähe, müsst ihr auch noch mit der richtigen Technik euren Wurf oder Dunking gekonnt versenken. Verteidigt ihr, könnt ihr durch Knopfdruck dem Gegner den Ball wegschlagen oder seine Wurf mit einem Sprung blocken.
Mein Fazit für das Spiel ist eine 8 im Singleplayer und eine 9 im Multiplayer, die resultierende Endnote kann sich jeder selbst ausrechnen, je nachdem worauf man mehr Gewicht legt. Als Endnote bleibt dann nur diplomatische 8,5 von 10 Punkten übrig, denn auch wenn das Spiel keine Story oder gute Grafik so ist es immer sehr motivierend, leicht zu erlernen und super zu steuern. Wii-Besitzer, gerade die, die Wert auf Party-Abende legen, werden an diesem Titel sicher lange ihre Freude haben. Allerdings sollte man schon mindestens ein weiteres WiiMotion Plus dazu kaufen.








Follow me on Twitter

